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Interview mit Reiner Türk und Angelika Zotter – Bad Neustadt. Reiner Türk (59) ist seit Januar 2017 neuer ehrenamtlicher Vorsitzender im Caritasverband Rhön-Grabfeld. Zu seiner Stellvertreterin wurde Angelika Zotter (58) durch die Vertreterversammlung gewählt. Beide kommen beruflich aus der Finanzbranche und schauen zurück auf jahrzehntelange Erfahrungen im Bankenwesen.

Sie haben sich beide bereit erklärt, im Caritasvorstand Verantwortung zu übernehmen. Was war dabei für Sie ausschlaggebend?

Angelika Zotter: Seit ich hier im Landkreis Rhön-Grabfeld berufstätig war, und da spreche ich von gut fünfzehn Jahren, habe ich die Aktivitäten des Caritasverbands beobachten können. Die Vielfalt der Arbeitsfelder, die große Professionalität und vor allem die spürbare Menschlichkeit haben mich stets beeindruckt. Seit einigen Monaten bin ich nun nicht mehr berufstätig und kann mich bei der Caritas einbringen.

Reiner Türk: Das ist bei mir ganz ähnlich. Ich erlebe hier seit Jahren einen aktiven Verband mit einer agilen Geschäftsführung und bin mir sicher, dass meine beruflichen Erfahrungen von Nutzen sein können. Besonders wichtig ist mir der „pflegende Berufsstand“, der noch mehr gesellschaftliche Anerkennung und  Respekt verdient hat.

Der Caritasverband Rhön-Grabfeld ist breit aufgestellt. Er bietet viele Entlastungs- und Hilfsangebote für Menschen in Not an. Konnten Sie sich bereits einen Überblick verschaffen?

Türk: Eine grobe Vorstellung habe ich inzwischen schon, muss aber zugeben, dass es für die vielen Details noch etwas Zeit braucht. Ich werde die Wochen nutzen, um mich einzuarbeiten in alle Teilbereiche. Das ist mir wichtig, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut informiert und aufmerksam begegnen zu können.

Zotter: Ich bin dankbar für eine kleine Hospitation, die mir die Geschäftsführung ermöglichen konnte. Diese hat mich in nahezu alle Bereiche der Caritas geführt. So durfte ich die Führungskräfte und die vielen Aufgabenfelder schon einmal kennenlernen und mir einen ersten Einblick verschaffen.

Sie kommen beide aus der Finanzwirtschaft. Der Caritasverband Rhön-Grabfeld muss mit geringen finanziellen Mitteln große Aufgaben schultern und ist auf Spenden angewiesen. Wie können Sie sich die Arbeit zukünftig vorstellen? Ist das große Engagement überhaupt aufrecht zu halten?

Zotter: Wirtschaftlichkeit ist auch für die Caritas ein Gebot der Stunde. Der Verband ist auf Einnahmen angewiesen, will er seine Dienste auch weiterhin anbieten können. Auch der Staat ist hier in der Pflicht, sich noch mehr finanziell einzubringen, wo die Caritas ihm Aufgaben abnimmt. Das Spendenvolumen zu erhöhen wird in Zukunft noch wichtiger werden, denn von allen Seiten kommen neue Anforderungen auf die Caritas zu.

Türk: Neue Herausforderungen verlangen auch nach neuen Formaten. Hier sehe ich meinen Beitrag unter anderem darin, Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit in der Region zu leisten, damit großzügigen Menschen noch deutlicher wird, wo und wie sie sich unterstützend einbringen können. Selbstverständlich bringe ich auch mein persönliches Netzwerk mit ein, um die Leistungsfähigkeit des Verbandes zu sichern.

Der Caritasverband Rhön-Grabfeld ist in der ambulanten und teilstationären Sorge für ältere Menschen gut aufgestellt und investiert viel – ein Feld der Zukunft?

Türk: Unbedingt! Der allgegenwärtige demografische Wandel, von dem unsere Region noch einmal ganz besonders betroffen ist, schreit förmlich nach einem verstärkten Engagement und der weiteren Übernahme von Verantwortung für betagte Menschen und ihre Angehörigen. Die Caritas ist in diesem Bereich ein großer Player und seit Jahrzehnten mit Erfahrung und Herzblut bei der älteren Generation.

Zotter: Das sehe ich ganz genauso. Die Caritas übernimmt hier mit ihren Angeboten oft die traditionelle Funktion der Familie. Dieser Wandel bestimmt die Gegenwart und mehr noch die Zukunft. Immer mehr Menschen werden auf ambulante, teilstationäre aber auch stationäre Unterstützung angewiesen sein. Auch das Umfeld, das heißt, die Angehörigen dürfen nicht aus dem Blick geraten. Sie brauchen ebenfalls Hilfe.

Apropos stationäre Altenhilfe. Zu den Altenheimen der Julius-Spital-Stiftung in Mellrichstadt bestehen enge Beziehungen. Sehen Sie hier mögliche Synergieeffekte im Zusammenspiel mit den Caritas-Sozialstationen?

Türk: Die Unterbringung in einem Altenheim ist meist mit Problemen für die Älteren verbunden. Deshalb sehe ich den Dienst der mobilen Sozialstationen als so wertvoll an. Sie ermöglichen den betroffenen Frauen und Männern das Leben in den eigenen Vierwänden so lange es geht.

Zotter: Wenn das aber nicht mehr geht, ist es gut, dass die Caritas auch Altenheime hat. Ich sehe hier durchaus Synergieeffekte, denn wir kennen die Menschen dann schon aus der ambulanten Pflege. Hilfreiche Informationen und Kontakte bestehen bereits, und was noch viel wichtiger ist: das Vertrauen zu den Mitarbeitern und zur Caritas insgesamt ist da.

Türk: Dieses Thema wird uns sicherlich in den nächsten Jahren weiter beschäftigen. Wie steht es zum Beispiel um Angebote für „betreutes Wohnen“ oder ganz neue Formen des sicheren Lebens im Alter?

Von der älteren nun noch zur jüngeren Generation. Viele Caritasvereine vor Ort sind Träger von Kindertagesstätten. Wie Sie, so arbeiten die Vorstände dort ebenfalls ehrenamtlich und haben große Verantwortung zu schultern. Wie können diese Vereine noch umfassender unterstützt werden?

Zotter: Erst einmal will ich sagen, dass ich großen Respekt vor dieser verantwortungsvollen Arbeit der vielen ehrenamtlichen Vorstände habe. Ich weiß, dass die Geschäftsstelle der Caritas dies unterstützt. Eine umfassende Antwort auf die Herausforderungen habe ich, ehrlich gesagt, nicht in petto. Möglicherweise braucht es andere Strukturen und hauptberufliche Angestellte. Ich meine schon zu sehen, dass ehrenamtliche Vorstände mit dem Umfang und den Risiken der Geschäftsführung einer Kita zum Teil überfordert sind.

Türk: Hier braucht es meines Erachtens eine fundierte Analyse, auf deren Grundlage dann realistische Ideen für die Zukunft entwickelt werden können. Kindergärten sind ein wichtiges Arbeitsfeld für die Kirche und Ihre Caritas, das es tragfähig weiterzuentwickeln gilt.

Mit Ihrem Einsatz im Vorstand der Caritas nehmen Sie auch eine gewisse Belastung auf sich. Warum tun Sie das? 

Türk: Das gesamte Team der Caritas Rhön-Grabfeld, das ich seit Jahren bei unterschiedlichen Veranstaltungen und Aktivitäten erleben darf, beeindruckt mich. Nun kann ich an verantwortungsvoller Position Teil dieses Teams sein. Das treibt mich an. Ich sehe, dass im Verband alle anstehenden Probleme lösungsorientiert angegangen werden, ohne die Grenzen des eigenen Tuns aus dem Blick zu verlieren. Und nicht zuletzt freue ich mich über die gute Zusammenarbeit mit einer unkomplizierten und sympathischen Geschäftsführung.

Zotter: Dem kann ich mich nur anschließen. Der unermüdliche Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Belange der Caritas wirkt ansteckend. Da bringe ich mich nach meinen Möglichkeiten gerne mit ein.

Zum Abschluss und in aller Kürze. Was wünschen Sie sich für den Caritasverband Rhön-Grabfeld?

Zotter: Eine positive Zukunft im besten Sinne der Caritas. Sie ist ein wichtiger Akteur für die Menschen im Landkreis und soll dies auch in Zukunft bleiben.

Türk: Die Caritas steht für „Hilfe in der Region“. Ich wünsche mir, dass wir es gemeinsam schaffen, die dazu erforderliche betriebswirtschaftliche Basis weiter auszubauen und sicherzustellen.

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